Ist wirklich der Biber am niedrigen Wasserstand des Sitzenberger Schlossteichs schuld? – unsere Antwort auf die Aussagen des Bürgermeisters

Am 30.09. erschien ein Artikel in der NOEN Tulln: „Hilferuf: 1.700 Karpfen drohen zu verenden“. Darin wurde durch Bürgermeister Erwin Häusler ein dramatisches Bild gezeichnet. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und vor Allem aufgrund der Biberdämme stehe die Teichwirtschaft kurz vor dem aus. Er sei bislang daran gescheitert die Biberdämme entfernen zu lassen, so mache sich die Sorge breit, dass die Karpfen so kurz vor dem Abfischfest verendeten.

Link zum Artikel: ➜ Schlossteich Sitzenberg – Hilferuf: 1.700 Karpfen drohen zu verenden – NÖN.at

Tatsächlich stellt sich die aktuelle Situation nicht ganz so dramatisch dar. Auch in der Vergangenheit kam es vor, dass der Schlossteich aufgrund von ausbleibenden Niederschlägen über mehrere Monate keinen Zulauf hatte. Dadurch bedingt ist der Wasserspiegel des Teichs aktuell etwa 70 cm niedriger als normalerweise. Der Teichobmann, sowie der Bürgermeister möchten dafür nur allzu gerne den Biber verantwortlich machen. Dieser würde das wenige Wasser, das uns nun zur Verfügung stünde auch noch aufstauen.

Interessanterweise stellte eine zu dieser Frage eingeholte gutachterliche Fachstellungnahme durch LK Projekt GmbH (im Auftrag der Abteilung Naturschutz RU5 des Landes) aber fest, dass die Biberdämme keinerlei negative Auswirkungen auf den Wasserstand des Schlossteichs hätten. Es war die Rede von einer Erhöhung des Pegelstandes von 0,4 mm, wenn die Dämme entfernt würden.

So war in der Expertise zu lesen: “ … wird eine Biberdammräumung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein zusätzliches Wasser bis zum
Schloßteich bringen …“. 

➜ besagte Expertise als PDF-Download

Trotzdem wurde durch die handelnden Personen ein Wegräumen der Biberdämme veranlasst, zumindest im Gemeindegebiet Sitzenberg-Reidling. Gerechtfertigt wurde diese Maßnahme durch einen Bescheid aus dem Jahr 2020. Auch in den letzten Jahren wurden Biberdämme immer wieder entfernt. Bereits Anfang September wurden also, anders als durch Bürgermeister Häusler behauptet, 2 Biberdämme vollständig entfernt. Aber siehe da – die Entfernung der Dämme hatte keinerlei Auswirkungen auf den Pegelstand im Teich.

Statt einer Hexenjagd gegen den Biber, aufgrund eines Problems das er nachweislich nicht verursacht hat, sollte man vielleicht dort nach Lösungen suchen, wo es auch Sinn macht. Zum Beispiel bei der undichten Wehr in Eggendorf (Katastrale von Sitzenberg-Reidling), aufgrund derer das Wasser ungenutzt am Schlossteich vorbei in den Reidlingbach rinnt, oder bei der Drainagierung der Felder ebendieser.

Eines ist sicher – verenden werden die Karpfen aufgrund des niedrigen Wasserspiegels nicht. Es wird nämlich, wie jedes Jahr, bereits Anfang Oktober damit begonnen, den Pegel künstlich zu senken, damit der Teich pünktlich zum Abfischfest vollständig geleert ist und die Fische gefangen werden können.

Wir haben uns auf die Spurensuche nach dem Wasser für unseren Schlossteich gemacht und dabei ein kurzes Video gedreht: