Zukunft des Altstoffsammelzentrums Reidling – Fakten und Zahlen

Wer aufmerksam durch Niederösterreich fährt, bemerkt: Überall entstehen neue, moderne Wertstoffsammelzentren. Einheitliche Anlagen, geplant und betrieben unter Aufsicht der Gemeindeverbände für Umweltschutz (GVU).

Diese Entwicklung ist grundsätzlich positiv – sie soll eine funktionierende, gesetzeskonforme und sichere Entsorgung garantieren. Doch was passiert, wenn eine Gemeinde bereits über eine bestehende, funktionierende Anlage verfügt?

Ausgangslage in unserer Gemeinde

In Sitzenberg-Reidling bestehen sowohl Grundstück als auch Gebäude, die eine geordnete Abfallentsorgung ermöglichen. Richtig ist: Die Anlage hat bereits einige Jahre auf dem Buckel, und es stehen Sanierungen an, um den Vorgaben der Bezirkshauptmannschaft Tulln (Abt. Umwelt- und Anlagenrecht) gerecht zu werden. Diese Arbeiten sind notwendig, um die bestehende Betriebsgenehmigung auch in Zukunft zu behalten – aber sie sind machbar.

Warum wir das Thema neu aufgerollt haben

Bereits in früheren Regierungsperioden wurde über eine mögliche Absiedelung des ASZ nach Trasdorf nachgedacht. 2024 fasste der damalige Gemeinderat einen entsprechenden Beschluss.

Uns war wichtig, alle Fakten auf den Tisch zu legen, und eine Entscheidung im Sinne der Gemeindebürger*innen vorzubereiten.

Bei einem Gespräch mit Vertretern des Gemeindebundes wurde bestätigt:
Es besteht keine Pflicht, sich dem zentralen Sammelzentrum in Trasdorf anzuschließen – ein Beitritt wäre auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich.

Wirtschaftlichkeit und Faktenlage

In einer sachlichen Abwägung sprechen viele Argumente für den Standort Reidling: Emotionen helfen bei dieser Frage wenig – Zahlen schon eher.

WIR7 hat sich daher auf ein klares Kostenlimit mit realistischer Amortisation verständigt: Die Sanierung muss sich innerhalb von 10 Jahren rechnen, idealerweise schneller.

Der eingeholte Kostenvoranschlag zeigt: Die notwendigen Arbeiten können wirtschaftlich umgesetzt werden, die Investition würde sich sogar in rund fünf Jahren amortisieren. Damit ist die wirtschaftliche Vertretbarkeit für den Verbleib des ASZ in Reidling gegeben.

Zusätzlich könnte der Gemeinderat prüfen, die Anlage durch eine moderne Zutrittsregelung – Schranken, Lesegerät und Kameraüberwachung – zu ergänzen. Der Aufwand läge bei etwa 10.000 € und würde Komfort wie Sicherheit deutlich erhöhen.

Ein weiterer Punkt aus der Finanzanalyse:
Unser Steuerberater der Gemeinde weist klar darauf hin, dass ausgelagerte Leistungen – etwa an externe Betreiber, Vereine oder Nachbargemeinden – aufgrund der verpflichtenden Umsatzsteuer wirtschaftlich massiv an Attraktivität verlieren. Besonders Bereiche wie Buchhaltung oder Altstoffsammelzentren rechnen sich extern kaum, während die gemeindeeigene Führung finanziell deutlich besser abschneidet. Auch das spricht dafür, funktionierende Strukturen im Ort zu bewahren, statt sie auszulagern.

Was ein Schließen bedeuten würde

  • Verlust der örtlichen Kompetenz – einmal weg, für immer weg.
  • Verwaiste Bauwerke, die erhalten oder abgetragen werden müssen.
  • Kaum realistische Nachnutzung des Grundstücks.
  • Wegfall der kommunalen Einnahmen.
  • Weiterhin notwendige Adaptierungen für Bauhof und Grünschnittplatz, also doppelte Kosten.
  • Aufwertung bzw. Erhalt von Arbeitsplätzen in unserer Gemeinde

Unser Fazit

Nach gründlicher Prüfung steht für uns fest: Das Altstoffsammelzentrum in Reidling hat Zukunft – wenn man bereit ist, vernünftig und zielgerichtet zu investieren, statt voreilig aufzugeben.

Unser nächster Schritt ist daher, das Thema im Gemeinderat umfassend zu behandeln und dort eine fundierte Entscheidung vorzubereiten. Uns ist wichtig, dass alle Fakten, Kosten und Auswirkungen transparent dargestellt werden und eine sachliche Diskussion stattfinden kann.

Erst auf Basis dieser Beratungen soll entschieden werden, ob weitere Schritte – etwa eine Einbindung der Bevölkerung in Form einer Volksbefragung – sinnvoll und notwendig sind.

Damit bleibt die Entscheidung über die Zukunft des Altstoffsammelzentrums dort, wo sie hingehört: im demokratischen Prozess unserer Gemeinde – Schritt für Schritt, fundiert und nachvollziehbar.

Christoph Otzlberger